Schamanismus und die Weisheit der Elfen

Kriegserklärung an die Esoterik

Ich warne schon mal vorweg: dieser Artikel mag giftig und böse daherkommen, aber ich habe lange überlegt, ihn in die Website zu stellen, und ich habe mich dafür entschieden - im Sinne des "Solve", also "Löse" im Bezug auf die unguten Entwicklungen der Esoterik. Oft werde ich gefragt, warum ich so eine ausgeprägte Aversion gegen diese Szene habe. Als ich noch viel in sozialen Netzwerken war, lieferte ich mir oft in den entsprechenden Gruppen heftige Diskussionen, die in der Regel für beide Seiten frustrierend waren. Ich verprellte sicher auch ebenfalls „spirituell“ arbeitende Heilpraktikerkollegen und Klienten, weil ich oft „grantig“ war und Tendenzen, die in Richtung Esoterik gingen, nicht unterstützte und ausgesprochen böse reagierte. Nun, ich kann es rückblickend betrachtet gut verstehen, dass mein Verhalten nicht verständlich war, bin aber mittlerweile in der Lage, den Grund meines Unmutes zu formulieren.

In der Esoterikszene sucht im Grunde fast jeder nach dem Sinn des Lebens, nach einer Art von Erfüllung oder nach Liebe (das berühmt-berüchtigte „Licht und Liebe“-Wolkenkuckucksheim). Viele dieser Leute haben ein inneres Loch, das sie zu stopfen versuchen, was an sich weder verkehrt noch schlecht ist, denn in der menschlichen Inkarnation hat eigentlich jeder einen mehr oder weniger großen „Knacks“ weg. Jeder trägt sein Päckchen, und jeder versucht, irgend etwas zu kompensieren.

Trotz meinem Unmut beschäftigte ich mich mit der Esoterikszene – in erster Linie, weil mir die ganzen Supercoaches und tollen Schamanen Klienten wegschnappten und sich einfach besser verkauften als ich. Im Zuge dessen hatte ich allerdings auch folgende Erkenntnis, die sehr gut zu meinem Aufgabenbereich passt: zu einem reichen und erfüllten Leben gehört imho Spiritualität. „Spirit“ bedeutet „Geist“, und für mich bedeutet das eine Verbindung mit den Geistern und Göttern. Wie die aussieht und welche Technik dabei verwendet wird, ist letzten Endes egal, das kann Hinduismus sein, das kann der Islam sein, aber das können auch Schamanismus oder „primitive“ Religionen sein. Wichtig ist eine lebendige und funktionierende Verbindung zu etwas, was jenseits der physischen Welt und ein zuverlässiger Verbündeter und Freund ist. Die Geister und Götter können einem helfen, den richtigen Lebensweg einzuschlagen. Das war der Grundsinn von Religion: das Zusammenarbeiten mit den Göttern oder mit Gott und das Erleben dieser Kräfte im eigenen Dialog mit ihnen. Ein Leben dieser Art ist auch nicht immer locker-flockig und schön, aber es ist reich und sinn-voll.

Dieser Weg ist zwar schwierig, weil man suchen und tief graben muss (Jim Morrison: „we chased our pleasures here, dug our treasures there“), aber im Grunde wiederum einfach und ohne viel Firlefanz. Es braucht dafür letzten Endes keine zig Seminare, Coachings oder ähnliche Dinge. Die Lebenshilfe selber kann auch auf der psychologischen Ebene geschehen – warum muss man das dann mit Schamanismus oder einer „spirituell“ wirkenden Glasierung aufpimpen? Keiner der Coachingfritzen da draußen kann einem wirklich die eigene Verbindung zum Geistigen auf dem Silbertablett liefern, es ist sinniger, sich ein paar Grundtechniken, die zu einem passen, anzueignen und damit zu arbeiten. Und ich wage noch etwas zu behaupten: der Großteil der Esoterik-und Coachingszene bringt die Leute in diesem Sinne sogar mehr vom Göttlichen weg, weil sie dogmatisch irgendwelche alleinseligmachenden Wege verspricht und zu wissen glaubt, was gut für einen ist. Mit dem „Licht und Liebe“-Gesäusel trennt sie sogar die Welten, denn zum Leben gehört auch das Dunkle. Das haben die wenigsten, mit denen ich früher zu tun hatte, kapiert. Mittlerweile sage ich dazu nichts mehr, sondern bringe in diesem Zusammenhang nur noch einen Satz: „Schaut euch die Natur und ihre Kreisläufe an.“

Ich höre oft: „Ich will Schamane/Coach etc. sein!“ und frage mich dann, warum mein Gegenüber das will. Ist es etwas, was tief aus der eigenen Seele kommt, oder will der sich nur wichtig und bedeutend fühlen oder sich selber heilen? Vieles in der Szene dreht sich um das Ego, nicht um das Tiefenselbst (=den Teil der Seele, der das eigentliche Wesen einer Person ausmacht), obwohl es oft anders behauptet wird. Man denke hier an die ganzen „Ich-bin-erleuchtet-und-kenne-den-Sinn-des-Lebens“-Typen, die das auch noch möglichst weit raushängen lassen. Helfen die ganzen Egowände von Auszeichnungen, Diplomen und ähnlichem Schnickschnack wirklich? Muß man unbedingt eine großartige Meditation machen, wenn es ein langer Waldspaziergang genau so tut? All das wird in dieser Szene seltenst hinterfragt.

Ein weiterer Kritikpunkt von meiner Seite ist die immer wieder auftauchende Verpsychologisierung. Da wird das Wort Spirits oder Geister in Anführungszeichen gesetzt, der Schamanismus wird „modernisiert“ oder „urbanisiert“ (als ob er nicht sowieso in der Stadt praktiziert werden könnte, denn mit ein bißchen Nachdenken geht das ohne große Schwierigkeiten), und es bräuchte keine „alten“ Rituale mehr, weil wir ja modern sind. Die schamanischen Seelenflüge, jene Durchbrüche zur anderen Seite, werden zu „inneren Reisen“. Geister gibt es nicht, die sind ja nur Konstrukte der eigenen Seele. Aus meiner Sicht sind das nichts weiter als Angst vor Geistern und der Versuch der Anbiederung an das jetzige mechanistische Weltbild, und das halte ich für einen fatalen Fehler. Um wirklich etwas zu verändern müssten aus meiner Sicht das spirituelle und das mechanistische, naturwissenschaftliche Weltbild einander die Hände reichen. Das ist ein weiteres „epic fail“ für den Großteil der Esoterik – die reden zwar von Spiritualität und Wiederverzauberung, machen aber letzten Endes durch diese Verpsychologisierung die Magie zunichte. Mein Job, und eigentlich der Job des Schamanen überhaupt, ist es, die Magie und die Geister wieder in diese Welt zurück zu bringen. Siehe den oberen Absatz mit "Spirit".

Damit dieser "Rant" nicht gar zu böse endet: ich spreche hier von der Mainstream-Esoterik. Das Wort "Esoterik" selber ist gar nicht so negativ und bedeutet "Geheimlehre". In diesem Sinne ist Schamanismus durchaus auch Esoterik, aber auch die frühere Magie wie z.B. die Kabbalah, die damals nicht jedem zugänglich war. Dass diese früher geheime Lehren waren, hatte seine Gründe. Einer davon war und ist, dass die esoterischen Techniken recht stark wirken und einfach nicht für jedermanns Psyche geeignet waren und sind. Zum Beispiel sehe ich heute die schamanischen Techniken als genau so stark wie LSD oder andere Meisterpflanzen an, nur läuft die Veränderung im Menschen über einen längeren Zeitraum. Ich benutze nicht umsonst im Bezug auf die schamanische Reise das Bild der "Doors" in der Wand. Von daher halte ich von diesem "jeder ist hellsichtig" oder "jeder ist medial"-Gerede nicht sehr viel, weil es einfach nichts für jeden ist.

Das heißt aber nicht, dass man sich nicht mit Spirituellem befassen darf. Nur muß man halt schauen, was zu einem passt und nicht gleich die ganze Türe eintreten. Zum Beispiel reicht beim einen ein einfaches Gebet oder ein Räucherritual, um eine Wirkung zu erzielen. Zu der anderen Person passt vielleicht Yoga oder eine Meditation, und andere wiederum machen eine volle schamanische Ausbildung. Im Grunde geht es nur darum, den eigenen Weg und die eigene Verbindung zur Geisterwelt zu finden.