Schamanismus und die Weisheit der Elfen

Schamanische Kraft

In Schamanenkreisen wird oft von "Kraft" gesprochen. Es ist, zumindest für mich, relativ schwer, einen Außenstehenden zu erklären, was das ist. Es gibt einige Verbindungen zur Vitalkraft, aber im Grunde bedeutet im Schamanismus "Kraft" die Kraft der Geister, wenn diese präsent sind und hnter dem Schamanen stehen. Das heißt, dass die Geister den Schamanen stärken und stützen. Wer sich mit Krafttiertänzen praktisch auskennt, weiß das. Von außen wird das oft als "Charisma" oder "Ausstrahlung" wahrgenommen, das hat den Effekt, dass man als Schamane wie der letzte Heuler herumlaufen kann, aber dennoch Aufsehen erregt oder angesprochen wird (sowohl negativ als auch positiv - mir fiel das mal auf, als ich mich fragte, warum ich auf meinen Spaziergängen eine Weile mal schon für meine bloße Präsenz von diversen Jugendlchen dumm angemacht wurde). Bei den Natives wird das "Medizin" genannt.

Diese Kraft kann natürlich durch die Zahl der verbündeten Geister oder auch die Art von Geistwesen verstärkt oder verringert werden. Aus diesem Grund erwerben z.B. die Vegetalistas in Südamerika möglichst viele Pflanzengeister als Verbündete oder machen sibirische Schamanen Konkurrenten die Verbündeten abspenstig. Auch die Beschäftigung mit den Geistern stärkt und vermehrt die Kraft, was klar ist: je intensiver die Freundschaft ist und je mehr man voneinander weiß, umso mehr und bereitwilliger stellt der Verbündete dem Schamanen seine Fähigkeiten zur Verfügung. Aus diesem Grund sind regelmäßiger Kontakt und Gegengaben so wichtig. Weil ich die Vitalkraft angesprochen habe: auch diese wird gestärkt. Ich beobachte, dass ich zum Beispiel sehr selten einen Infekt habe, seit ich ernsthaft schamanisiere. Diese erhöhte Kraftzufuhr ist allerdings bei ernsthafter schamanischer Arbeit auch notwendig, da Klientensitzungen oder dergleichen wiederum sehr kraftraubend sein können. Bei mir ist der Kalorienbedarf nach einer größeren Klientensitzung deutlich erhöht und ich muß mich ausruhen. Im Film "Schamanen im Blinden Land" von Michael Oppitz ist das recht gut dargestellt. Mit Zittertrance, Gesängen und auch psychoaktiven Substanzen lädt der Schamane sich mit Kraft auf, um dann nach der stundenlangen Sitzung zu sagen: "Ich möchte schlafen!". Auch Stefan Klemenc schreibt in seinem Buch "Der Flug des Kondors" einiges dazu.

Richtig gelesen - man kann sich mit Kraft aufladen. Die erwähnten Tiertänze können einem dabei helfen. Auch Kraftgesänge oder Exerzitien wie z.B. Runenübungen können helfen. Die nepalesischen Schamanen reisen zur Mondsichel und trinken aus ihr wie aus einem Kelch Kraft. Das heißt, dass die umgebende Natur einen aufladen kann, wenn man höflich darum bittet. Viele Esoteriker praktizieren das, indem sie Kraftplätze aufsuchen.

Kein Schamane hat dieselbe Kraft wie der andere, es gibt auch in dieser Zunft Spezialisten. Der Grund dafür liegt bei den Verbündeten und Krafttieren, die unterschiedliche Aufgabenbereiche haben. Woanders brachte ich das Beispiel mit Bär und Geier. Der typische Geierschamane hat oft Initiationen rund um den Tod durchgemacht und besitzt zum Beispiel eine ausgezeichnete Kenntnis der Zustände nach dem Verlassen der Seele. Es besteht bei manchen Völkern die Vorstellung, dass der Geier die Seele ins Jenseits trägt. Geierschamanen können deswegen in der Regel sehr gut einen Sterbenden begleiten und seine Seele ins Jenseits geleiten. Ein Bärenschamane kann das wiederum vielleicht nicht so gut, dafür kennt der sich in Heilritualen, Träumen und der Kräuterkunde sehr gut aus, da Bären sehr langen Winterschlaf halten und ausgezeichnete Pflanzenkenner sind. Sie fressen tatsächlich nach ihrem Winterschlaf Heilkräuter. Manche kennen vielleicht auch die Bärenhaltung aus den Büchern von Felicitas Goodman, die wunderbar die eigene Heilung anschieben kann. Ich selber kann zum Beispiel nicht sehr gut Kontakt zu Verstorbenen herstellen und führe entsprechende Sitzungen nur dann durch, wenn es nicht anders geht und sonst kein "Kollege" da ist, der das besser kann. Leider wird dieses Spezialistentum in der heutigen Szene kaum beachtet, und jeder will alles können. Im Buch "Der Schamane in uns" vom Paul Uccusic wird beispielsweise beschrieben, wie ein Schamane, der sich auf Diagnosen spezialisiert hat, mit einem Kollegen, der sehr gut Krankheiten aus der Aura entfernen kann, zusammenarbeitet.

Auch Gegenstände wie z.B. eine Trommel oder ein Schamanengewand haben Kraft, da sie beseelt sind, also einen bis mehrere Geister in sich beherbergen. Der "Mummenschanz", der Schamanen öfters vorgeworfen wird ("Braucht es das eigentlich heute noch, das ganze Räuchern und Trommeln?") dient somit der Verbindung mit den Kräften. Ein bißchen sind die Kraftgegenstände auch "Foci" oder "Durchgangstore" der Geister, was mich persönlich etwas an die Ikonen der östlichen Kirchen erinnert, denn von ihnen sagt man, dass durch sie z.B. Christus oder Heilige direkt anwesend sind.

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