Schamanismus und die Weisheit der Elfen

Schamanische Kosmologie

Eines vorweg: mein Text ist relativ subjektiv und beruht auf eigenen Erfahrungen sowie der Beobachtung der "Schamanenszene". Wichtig ist auch hier, dass Sie sich eigene Gedanken machen und den Schamanismus, wenn möglich, selber erfahren.

Fast jedes schamanische Weltbild geht von einer Mehrschichtigkeit der Welt bzw. des Kosmos aus. Sehr oft ist in Grundzügen eine Dreiteilung zu erkennen. Selbst das christliche Abendland teilt die Welt in drei "übereinander gelagerte" Orte auf: oben der Himmel oder das Paradies, in der Mitte die Erde, und unten die Hölle mit Onkel Lou und seinen Kumpanen. In den nordischen Sagas gibt es 9, also 3 mal 3 Welten, die alle über den Weltenbaum Yggdrasil miteinander verbunden sind.

Das führt zum nächsten Punkt: der Verbindung zwischen den Welten. Wie schon erwähnt, wird diese Aufgabe im Nordischen vom Weltenbaum erfüllt. In Sibirien gibt es ebenfalls Weltenbäume, dort wird zum Beispiel ein Birkenstamm für Rituale aufgestellt. Unser Maibaum mag eine Remineszenz daran sein, denn es gibt den Brauch, dass Burschen den Maibaum hinaufklettern. Das ähnelt frappierend der Schamaneninitiation bei den Magar, einem nerpalesischen Stamm. Dort muß der Schamanenanwärter mit verbundenen Augen einen Pfahl, der auf dem Dorfplatz aufgestellt ist, hinaufklettern. Natürlich ist das ganze Dorf dabei. Bei den Sami in Lappland nicht der Baum, sondern ein Berg die Aufgabe des Bindegliedes zwischen den Welten. Darum gibt es dort Heilige Berge wie Ailegas, der in einem Lied von Mari Boine besungen wird.

Andere Kulturen wie z.B. die keltische verwenden Seen oder Nebel als "Durchgangsschleuse" zur Anderswelt. Es gibt eine Reisetechnik, die ohne Visualisierung von Bäumen, Höhleneingängen oder Bergen auskommt: man stellt sich einen Nebel vor, wenn dieser sich lichtet, ist man in der Anderswelt. Eine ähnliche, möglicherweise wirklich auf keltische Wurzeln zurück gehende Reisetechnik wird im Märchen "Frau Holle" beschrieben: dort fällt die Goldmarie tatsächlich in einen Brunnen und landet auf einer schönen Wiese. Interessanterweise gibt es in Deutschland einige Teiche und Seen, die "Holleteich" oder ähnlich genannt werden. Das Bild wird durch archäologische Funde abgerundet, denn man findet oft Opfergaben in Seen oder Mooren, was ebenfalls auf das Wasser als Durchgangspforte zur Geister-und Feenwelt hinweist. Selbst in einem Disney-Film namens "Taran und der Zauberkessel" kommt das vor: dort fallen die Protagonisten in einen See und finden sich in der Feenwelt wieder.

Der heutige Schamanismus ist stark von der Arbeitsweise Michael Harners beeinflusst, der mit seinem Core-Schamanismus Pionierarbeit leistete. Hier wird von einer Dreiteilung des Kosmos ausgegangen: einer unteren, einer mittleren und einer oberen Welt. Der Zugang nach "unten" wird meistens als Höhleneingang, Loch im Baum oder ganz einfach als nach unten gehender Aufzug visualisiert, während es über eine Treppe, einem Baum oder einen Regenbogen nach oben geht. Der Fantasie des Reisenden sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Diese Art zu reisen hat sich nach meinen Beobachtungen in den letzten 20 Jahren durchgesetzt. Wichtig ist aber, dass der Core-Schamanismus nur ein Skelett ist und die reinen Basistechniken vermittelt. Mit der Zeit entwickelt man mit Hilfe der Geister eine eigene Art zu schamanisieren. Ich selber reise zum Beispiel mittlerweile auf eine ganz andere Art. Leider wird Harner oft zu dogmatisch aufgefasst. Aus meiner Sicht hat die FSS viel geleistet, nun ist es aber an uns, eigene Traditionen zu entwickeln und weiter zu geben. Zum Beispiel kann das nordische oder das keltische Weltbild mit Hilfe der Geister sehr gut in die heutige Zeit übersetzt werden.

Die FSS ist heutzutage durchaus zu kritisieren, da sie mittlerweile arg psychologisiert und Seminare mit hohen Teilnehmerzahlen durchführt, was der Qualität des Unterrichtes nicht gut tut. Traditionelle Schamanen haben nie Seminare gegeben, sondern "ihre" Leute einzeln unterrichtet. Meiner Beobachtung nach sollte der Trend wieder in diese Richtung gehen, weil das Seminarwesen in der "Szene" mittlerweile auch objektiv betrachtet immer schlechter wird. Nichtsdemsotrotz: die FSS hat, wie schon weiter oben geschrieben, wichtige Pionierarbeit geleistet und den hiesigen Schamanismus überhaupt erst mit möglich gemacht.

Übrigens: das "Schichtenmodell" verschiedener räumlich übereinander liegender Ebenen und einer verbindenen Achse in Form eines Baumes, eines Berges oder ähnlichem dient nur dem in Zeit und Raum seienden Menschen, die Geisterwelt zu begreifen. In tieferen Trancen scheinen sich diese Schichten eher in verschiedene "Schalen" zu verändern oder gar gleichzeitig zu sein, was schwer beschreibbar ist. In der Geisterwelt selber existiert die Zeit in der linearen Weise, wie wir sie hier wahrnehmen, nicht. Dieses "Achsen-und-Schichten-Modell" hilft nur dem Menschlichen Geist, die jenseitige Welt für das eigene Verständnis zu ordnen.

zurück