Schamanismus und die Weisheit der Elfen

Schamanische Arbeit mit Naturgeistern

Im Grunde wird im Schamanismus sehr oft mit Naturgeistern gearbeitet, was eigentlich logisch ist, da die Natur uns immer umgibt. Klar - es gibt speziellere Formen schamanischer Arbeit wie z.B. der Umgang mit den Toten und deren Welten, aber den meisten schamanisch tätigen Personen sind Naturgeister sicher schon mal begeegnet. Trotzdem werde ich verdächtig oft gefragt, wie man mit den Elfen schamanisch Kontakt aufnehmen und arbeiten kann. Wenn ich dann sage: "Hey, du kannst reisen - geh mal zu ihnen und frag´ sie selber!", bekomme ich oft ratlose Blicke. Es scheint so, als ob Naturgeister zwar zur schamanischen Arbeit gehören und auch beliebt sind, aber es sich nur wenige vorstellen können, WIE die Arbeit mit ihnen ausschaut. Vielleicht liegt es auch am typisch "indianischem" oder "sibirischem" Bild, das viele vom Schamanismus haben, denn das ist mit den geläufigen Feenvorstellungen kaum vereinbar.

Unsere Vorfahren arbeiteten aber mit ihnen, und es ist kein Problem, dies auf einer schamanischen Ebene zu tun. Vorraussetzung ist allerdings, dass die Naturgeister von sich aus mit einem zusammenarbeiten wollen. Wie das aussehen kann, zeige ich nun anhand kurzer Beispiele, die ich selber so erlebt habe:

Wohnungs-und Hausprobleme wie feuchte Wände oder ständig leckende Wasserrohre können, wenn es keine anderen Gründe dafür gibt, auf das Konto verärgerter Naturgeister gehen. Hier schafft oft ein Ritual Abhilfe. In Island achtet man sehr darauf, dass Häuser und Strassen nicht auf "Elfengebiet" gebaut werden. Bekannt ist die mittlerweile verstorbene "Elfenbeauftragte" Erla Stefansdottir, deren Rat öfters eingeholt wurde. Ich wünschte mir oft, dass es solche Elfenbeauftrage auch wieder in Deutschland gibt, was bizarrerweise von den Geistern erhört wurde, leider mit desaströsem Ergebnis:

Im Sommer 2018 "geisterte" eine Meldung von zwei Elfenbeauftragten, die an der A2 bei Hannover arbeiteten, durch die Medienlandschaft. An einer bestimmten Stelle der Autobahn passierten auf unerklärliche Weise recht viel Unfälle, und die beiden Beauftragten besänftigten die dortigen Naturgeister. Ein Ergebnis bleibt noch abzuwarten. Der Fall zog damals viel Spott auf sich und ist mittlerweile in der Versenkung verschwunden, zumal die beiden Damen, die diesen Job machten, sich verständlicherweise aus der Öffentlichkeit zurückzogen.

Es gibt Fälle von Unglück und Schwierigkeiten in einem Haus oder einer Familie, bei denen sich herausstellt, dass der "Gute Geist" des Hauses (Wichtelmännchen!) gegangen ist. Auch hier kann man das Heim des Klienten wieder "begeistern" und das Glück herbeirufen.

Von der Wurzel-und Pflanzenmagie oder gar der Magie der südamerikanischen Schamanen brauche ich gar nicht erst reden, diese Formen der Zauberei haben ihre Wurzeln bei den Naturgeistern. Die Elfen können einem in Punkto Kräuterzauber, Herstellung von "Mojos" oder dem, was im Hoodoo als "Rootwork" bekannt ist, so einiges flüstern, wenn sie es wollen. Ein prominentes Beispiel war Biddy Early in Irland, deren "Hexenfläschchen" stark an die Mojo Bags und Pülverchen der amerikanischen Südstaaten erinnern. Das ist kein Wunder, denn es kamen auch viele irische Einwanderer nach Loisiana und Missisippi. Das New-Orleans-Hoodoo mit seinen Fläschchen, Ölen und Zaubertäschlein hat viel irische Einflüsse.

Diese Magie wird unterschätzt, aber sie ist stark. Der Grund dafür liegt darin, dass wir es hier den Geistern unserer Heimat zu tun haben, die hier leben. Es mag vielleicht absurd klingen, aber wenn man unreflektiert "fremde" Geister importiert, dann hält sich die Kraft eines solchen Rituals nicht lange oder sorgt sogar für Schwierigkeiten. Mir ist ein Fall bekannt, in dem jemand einfach unreflektiert in einem hiesigen Wald Geister eines fremden Landes angerufen hat. Die örtlichen Waldgeister waren von der Aktion nicht begeistert und taten ihren Unmut auch kund. In der Schamanenszene beobachte ich oft, wie das Exotische angehimmelt wird, aber die mindestens genau so machtvollen Kräfte vor der eigenen Haustüre sträflich mißachtet werden - weil sie halt nicht exotisch genug sind. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber die ergeben eigentlich bei näherem Betrachten immer einen Sinn. Schlimmer ist das unreflektierte Nachahmen. Dabei ist es so einfach: zu den lokalen Naturgeistern gehen und mit ihnen Kontakt aufnehmen.

Naturrituale

Auf vielen schamanischen Websites stoße ich auf das Thema „Naturrituale“ oder „Heilrituale für Mutter Erde“. Wenn es ganz schön, „herzöffnend“ und toll sein soll, sind es Pacha-Mama-Rituale oder von südamerikanischen Elementen durchsetzte Zeremonien. Meistens steht der „Schamane“ in großer Pose da, von einer wunderschönen Landschaft umgeben, und die Leute sind ganz ergriffen.

Versteht mich nicht falsch: auch ich mache Naturrituale. Der Feentanz ist z.B. eine sehr intensive Variante davon. Und derlei Rituale sind auch gut und wichtig. Aber sie dienen nicht einem Selbstzweck oder egoistischen Bedürfnissen. Mich beschleicht dieses Gefühl von Selbstdarstellung und Wichtigtuerei immer, wenn ich die oben genannten Darstellungen sehe, und es ist auch den lokalen Naturgeistern gegenüber ziemlich respektlos. Was würden Sie sagen, wenn jemand in Ihr Wohnzimmer trampelt, dort ungefragt ein Ritual abhält, dabei vom ebenfalls uneingeladen mitgeschleppten Publikum möglichst viele „Aaaahs“ und „Ooooohs“ einkassiert, dann während dem Ritual dermaßen Pfusch baut, dass das Wohnzimmer danach grundsaniert werden muss, und dann ohne Dank mit der gesamten Horde abzieht. Sie ahnen es – so laufen viele „Naturrituale“ ab. Analog dazu müsste man eigentlich bei dem Besitzer der Wohnung erst anklopfen und fragen, ob Gesellschaft überhaupt erwünscht ist. Wenn man diese Netiquette einhält, dann sind viele Naturgeister meiner Erfahrung nach kooperativ und erfreut. Und beim Naturheilritual kann man eine recht schöne Analogie zur Arbeit von Handwerkern ziehen: die müssen ja auch ihren Job gut machen und das Haus nicht vermurksen. Der Schamane sollte also genau wissen, was er da tut.

Was heißt das in der Praxis? Das ist eigentlich ganz einfach: ein Naturritual nur dann machen, wenn ein ausdrückliches Ja von den Geistern kommt. Schwammige Antworten gelten bei mir als „Nein“ und ich lasse es. Aus diesem Grund halte ich selber relativ wenige Rituale in der Natur ab. Ansonsten sollte man sehr genau sein Handwerk verstehen oder sehr achtsam vorgehen. Es ist wirklich so, wie wenn man im Wohnzimmer eines Gastgebers ist und ihm ein nettes Geschenk macht. Und das muss vom Herzen kommen.

Ich selber musste das auf die harte Tour lernen, weil ich mal meinte, in den Bergen ungefragt rumschamanisieren zu müssen, und die Ortsgeister waren so etwas überhaupt nicht gewöhnt. Eine andere Geschichte zeigte mir auch, wie man es nicht macht: da erlebte ich eine Person, die hier in den lokalen Wäldern schamanische Rituale machte und dabei südamerikanische Geister und Gottheiten anrief. Den bösen Kommentar der Naturgeister aus dem Off werde ich bis heute nicht vergessen. Leider gibt es zur Zeit einige in meiner Gegend recht berühmte "Kollegen", die offensichtlich genau das machen: auf dem Südamerika-Trend aufspringen und in der hiesigen Landschaft sogenannte "Inka-Rituale" anbieten. Man mag es mir als Arroganz vorwerfen, aber ich halte von derlei Sachen nicht viel. Bessere Anregungen zu Naturritualen findet man in den Büchern von Wolf-Dieter-Storl oder Christian Rätsch, oder man macht sich die Mühe, bei den Pacha-Mama-Ritualen den Grundkern zu erfassen und so zu übersetzen, dass es in die hiesige Gegend und zu den lokalen Geistern passt.

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