Schamanismus und die Weisheit der Elfen

Alchemie

Die meisten Menschen stellen sich unter der Alchemie eine zweifelhafte Beschäftigung, die bestenfalls ein Vorläufer der Chemie war, vor. Man sieht auch heute noch die Alchemisten meist als recht verschrobene Gesellen, die mit komischen Behältern und Verfahren arbeiteten, in verrauchten Laboren herumkrauchten und dabei glaubten, aus Blei Gold machen zu können. Übrigens: die Umwandlung in Gold kommt auch in einigen Märchen vor. Rumpelstilzchen zeigt zum Beispiel der Königstochter, wie man aus Stroh Gold spinnt. Das mag darauf hinweisen, dass die Naturgeister mit der Alchemie verbunden sind. Es wird gesagt, dass sie so manchen Adepten dieser Zunft Geheimnisse zuraunen und zeigen, was ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Ich wurde oft auf das Thema Alchemie gestoßen, bis ich klein beigab und begann, mich praktisch damit zu beschäftigen

Aber was ist die Alchemie eigentlich wirklich? Im Grunde sind es Verfahren, die die Vorgänge in der Natur durch z.B. Destillation, Gärungsprozesse oder Veraschen nachahmen. Der Alchemist möchte aus den Manifestationen der Natur wie z.B. Pflanzen, Steinen oder gar Tieren, deren Geist befreien und in ein Elixier verwandeln. Das heißt, dass in einer alchemistisch aufbereiteten Johanniskrautessenz DER Geist des Johanniskrautes weilt, und zwar noch feiner und präsenter als in einem einfachen alkoholischen Auszug, quasi als "Uridee" (Plato lässt grüßen!). Zu diesem Zwecke trennt der Alchemist die Bestandteile des Johanniskrautes auf und fügt sie am Schluß wieder zusammen. Das wird mit dem Satz "solve et coagula" (Trenne und vereine) ausgedrückt.

Dieses solve et coagula erschafft in gewisser Weise etwas Neues und "reineres", es hat durchaus Ähnlichkeit mit dem, was während einer schamanischen Initiation oder Zerstückelung passiert. Auch hier wird der Initiand zerlegt. Danach wird er wieder neu zusammengesetzt und ist oft seinem eigentlichen Wesen näher als davor.

Die Wurzeln der Alchemie sind im Dunkel der Geschichte verborgen und können nicht mehr ganz eindeutig ausgemacht werden. Es gab sie wohl schon im alten Ägypten, und in späterer Zeit gelangte viel alchemistisches Wissen über die maurische Kultur nach Europa. Das Wort "Alkohol" ist beispielsweise arabischer Herkunft. Interessant ist, dass es teilweise mit Naturgeistern in Verbindung gebracht wird und dass ich selber auch genau in diesem Kontext darauf gebracht wurde. Es gab eine Zeitspanne, in der ich mich in einer Art Exerzitium mit dem "Pflanzenzweig", der Spagyrik, auseinandersetzen musste. Diese Zeit war sehr intensiv und fruchtbar, und ich zehre heute noch von den damaligen Erkenntnissen. Doch worin bestehen diese?

Damals befasste ich mich intensiv mit Pflanzen und ihren jeweiligen Geistern und bereitete nach traditionellen alchemistischen Vorgehensweisen Essenzen auf. Tatsächlich war das etwas zeitintensiver, und ich wurde später oft von anderen Leuten mehr oder weniger durch die Blume gefragt, was der ganze Aufwand denn eigentlich soll, zumal man als Heilpraktiker nichts davon hat. Zu etwa derselben Zeit kam der Trend mit dem südamerikanischen Schamanismus und dem Ayahuasca auf, und als ich wieder einmal trommelnd und singend im Labor stand und mich fragte, warum ich das eigentlich überhaupt mache, fiel mir auf, dass ich sehr ähnlich wie die traditionellen Vegetalistas arbeite. Auch die schütten ihre Gebräue nicht einfach so zusammen, sondern begleiten jeden Schritt mit Gebeten, Ritualen und Gesängen. Mir wurde klar, dass dieser spagyrische Weg die europäische Variante eines "Vegetalismo" ist und sich vor diesem südamerikanischen Pflanzenschamanismus überhaupt nicht zu verstecken braucht. Beide gehen in wahnsinnige (das Wort passt hier sehr gut!) Tiefen, und beide sind in der Lage, die Kräfte einer Pflanze so zu entfalten, dass sie einem als unendliche Welten erscheinen. Das ist mitunter einer der Gründe, warum ich die Alchemie auf meiner Website erwähne.


Die "Aggregatzustände" der Alchemie